Dokumentation · Forschung · Exkursion

Migration, Transformation, Erinnerung - Kroatien im 20. und 21. Jahrhundert

Vom 1. bis zum 6. Juni 2026 führte unsere Exkursion nach Kroatien. Ziel der Reise war es, die gesellschaftlichen und historischen Entwicklungen des Landes unter den Leitmotiven Migration, Transformation und Erinnerung im 20. und 21. Jahrhundert zu untersuchen. Um diesen vielschichtigen Themenkomplex aus unterschiedlichen Perspektiven zu erschließen, arbeiteten wir in Kleingruppen, die jeweils einen spezifischen Schwerpunkt bearbeiteten. Die historisch ausgerichteten Gruppen widmeten sich dem habsburgischen Erbe, dem Sozialismus, dem Zweiten Weltkrieg sowie dem Heimatkrieg. Ergänzt wurden diese durch die thematisch orientierten Arbeitsgruppen „Migrationen in Vergangenheit und Gegenwart“ sowie „Transformationserfahrungen“.

Ungeachtet ihrer unterschiedlichen Forschungsschwerpunkte verfolgten alle Gruppen ein gemeinsames Erkenntnisinteresse: die Frage, in welcher Weise die untersuchten historischen Prozesse und gesellschaftlichen Umbrüche bis in die Gegenwart nachwirken und wie sie sich im kulturellen Selbstverständnis sowie im Alltag der kroatischen Gesellschaft manifestieren. Im Rahmen unserer Feldforschung besuchten wir die Städte Zagreb, Požega, Osijek und Vukovar. Dort kamen unterschiedliche qualitative Forschungsmethoden zum Einsatz. Durch filmische und fotografische Dokumentationen sowie Interviews mit Passantinnen und Passanten, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie Expertinnen und Experten gewannen wir vielfältige Perspektiven auf die behandelten Themen und konnten unsere Fragestellungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten.

Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit sind auf dieser Website aufbereitet. Wir laden Sie herzlich dazu ein, unsere Erkenntnisse nachzuvollziehen und Kroatien aus der Perspektive historischer Erinnerung, gesellschaftlicher Transformation und migrationsgeschichtlicher Entwicklungen zu entdecken.

Karte

Besuchte Orte im Überblick

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Artikel

Bildergalerie der Exkursion

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Über das Projekt

So haben wir gearbeitet

Platzhalter.

Migration

Migration in Kroatien

Migration prägt Kroatien seit Jahrhunderten und ist bis heute ein zentraler Bestandteil seiner gesellschaftlichen Entwicklung. Der folgende Zeitstrahl zeigt zentrale Stationen dieser Geschichte, von der habsburgischen Ansiedlungspolitik im 18. Jahrhundert bis zur heutigen Arbeitsmigration aus außereuropäischen Ländern. In den Artikeln darunter vertiefen wir Hintergründe, historische Zusammenhänge und persönliche Stimmen dazu.

18. Jahrhundert

Nach der Vertreibung der Osmanen siedeln die Habsburger deutsche Familien in Slawonien an. Sie prägen als Bauern und Handwerker die Entwicklung der Region.

1890

In Osijek stellen die Deutschen noch die Bevölkerungsmehrheit. Die deutsche Minderheit erlebt ihren wirtschaftlichen und kulturellen Höhepunkt.

1918

Mit dem Zerfall der Habsburgermonarchie wird Kroatien Teil Jugoslawiens. Die Deutschen werden zur Minderheit und geraten zunehmend unter politischen Druck.

1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg werden die meisten Deutschen enteignet, interniert oder vertrieben. Die deutsche Bevölkerung Kroatiens schrumpft fast vollständig.

Ab den 1960er Jahren

Viele Kroaten wandern als Gastarbeiter, vor allem nach Deutschland, aus. Diese Arbeitsmigration prägt das Land bis heute.

1991

Mit der kroatischen Unabhängigkeit beginnt der Heimatkrieg. Die Zerstörung Vukovars und Vertreibungen zwingen viele Menschen zur Flucht.

1992

Kroatien zählt weltweit zu den Ländern mit der höchsten Flüchtlingsdichte. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht oder vertrieben.

August 1995

Die Militäroperation „Oluja“ (Sturm) beendet den Krieg weitgehend. Über 200.000 kroatische Serben fliehen, begleitet von schweren Menschenrechtsverletzungen.

2013

Mit dem EU-Beitritt Kroatiens nimmt die Auswanderung nach Westeuropa deutlich zu. Zwischen 2011 und 2021 verliert das Land rund 400.000 Einwohner.

Ab 2014

Kroatien wird zunehmend zum Einwanderungs- und Transitland. Arbeitskräfte sowie Flüchtlinge aus Asien und Afrika kommen über die Balkanroute ins Land.

Artikel · Migration

Migration im Wandel

Einführung in die Formen, Geschichte und aktuelle Bedeutung von Migration in Kroatien.

Artikel · Migration

Eindrücke von Passanten und Zeitzeugen

Bilder, Audioaufnahmen und Zitate aus Interviews zu persönlichen Migrationserfahrungen.

Artikel · Migration

Kroatiens Migrationsgeschichte

Von der habsburgischen Ansiedlung über Vertreibung und Krieg bis zur EU-Integration.

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Transformation

Transformationserfahrungen

Transformation beschreibt den tiefgreifenden Wandel von Architektur, Arbeit und der Gesellschaft, der das Leben von Einzelnen und von Gruppen zugleich verändert. Um herauszufinden, wie Transformation in Kroatien wahrgenommen wird, haben wir vor allem Interviews mit Passant:innen geführt. Hierbei haben wir Menschen unterschiedlicher Lebensabschnitte befragt. Neben den Interviews haben wir unsere Eindrücke durch Videos und Fotos veranschaulicht, um deutlich zu machen, dass Transformation nicht nur die Gesellschaft und Politik betrifft, sondern auch die Architektur.

Wir haben beobachtet, dass viele ehemalige Industrieunternehmen privatisiert, geschlossen oder umgenutzt wurden. Besonders in Städten wie Zagreb entstanden auf damaligen Industrieflächen neue Geschäfts-, Wohn- und Dienstleistungszentren, und trotz allem gingen gleichzeitig zahlreiche Arbeitsplätze verloren, was uns Passant:innen größtenteils bestätigt haben. Während einige historische Gebäude renoviert und neu genutzt werden, verfallen andere oder weichen modernen Bauprojekten.

Ein weiteres aufkommendes Thema war der EU-Beitritt. Dieser wird unterschiedlich eingeschätzt von unseren befragten Personen, da für jüngere Leute neue Herausforderungen entstehen, während ältere Generationen ihn eher als etwas Positives ansehen. Eine Folge dessen ist, dass zahlreiche Kroatinnen und Kroaten in andere europäische Länder wie zum Beispiel Deutschland auswandern.

Die Transformation Kroatiens ist daher nicht nur ein wirtschaftlicher Prozess, sondern ebenfalls ein gesellschaftlicher Wandel. Sie zeigt, wie gespalten das Land in diesen Hinsichten ist. Zum einen spiegelt sich das in einem liberalen und offenen Lebensstil bzw. Weltbild wider, auf der anderen Seite wird der tief verwurzelte Nationalismus deutlich.

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Erinnerung

Erinnerungskultur in Kroatien

Erinnerung beschäftigt sich damit, wie historische Epochen und Ereignisse im heutigen Kroatien wahrgenommen, verarbeitet oder verdrängt werden. Ein zentrales Thema unserer Recherche war das Erbe der Habsburger Monarchie, dem wir uns in zwei Artikeln widmen.

Artikel · Habsburg

Das Habsburger Erbe

Was im 21. Jahrhundert von der Habsburger Herrschaft in Kroatien verbleibt, und wie präsent dieses Erbe im Alltag der Menschen noch ist.

Artikel · Habsburg

Stimmen zum Habsburger Erbe

Interviews mit Damir Vlahovic und Studierenden der Universität Zagreb über Geschichte, Identität und die Gegenwart Kroatiens.


Artikel · 2. Weltkrieg

Der Zweite Weltkrieg im heutigen Kroatien

Der Zweite Weltkrieg prägt viele Länder in Europa bis heute, nicht nur geographisch und politisch. Aber wie sichtbar ist seine Erinnerung in Kroatien? Diese Frage stand im Mittelpunkt unserer Exkursion in verschiedene kroatische Städte. Während historische Ereignisse durch Fakten in Schulbüchern, Museen und Gedenkstätten präsent sind, interessierte uns vor allem, wie Menschen ihnen in ihrem Alltag begegnen. Etwa durch Schulbildung, staatlich geprägter Erinnerungskultur, wie etwa Gedenktage und Gesprächen mit Familie und Freund*innen.

Wir beschäftigten uns daher mit der Frage, wie der Zweite Weltkrieg heute in Kroatien nachwirkt und wie präsent das Thema im Alltag der Menschen ist. In Interviews, Gesprächen und Beobachtungen vor Ort begaben wir uns auf die Spuren des Zweiten Weltkriegs und untersuchten dabei auch mögliche Unterschiede zwischen staatlich vermittelter Erinnerung und persönlichen Erfahrungen und Eindrücken. Hierzu erkundeten wir auch Denkmäler, die wir häufig auf Friedhöfen fanden und die uns als Zeugnisse staatlich geprägter Erinnerungskultur dienen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Zweite Weltkrieg sowohl im öffentlichen Raum und in offiziellen Formen des Gedenkens als auch in privaten, familiären Erinnerungen häufig nur eine untergeordnete Rolle spielt. Im gesellschaftlichen Alltag wird die Erinnerung stattdessen vielfach vom Kroatischen Unabhängigkeitskrieg (1991-1995) überlagert.

Eindruck und Zusammenfassung: Die Exkursion hinterlässt und bestätigt bei uns den Eindruck, dass der südosteuropäische Raum der heutigen Staaten Kroatien, Serbien, Slowenien und auch Bosnien seit Ende des Ersten Weltkriegs durch ethnische und politische Konflikte geprägt ist (Ramet 2008, S.30f.). Während des Zweiten Weltkriegs traten diese Spannungen durch die Einsetzung des faschistischen Ustaša-Regimes deutlich hervor, was zur systematischen Verfolgung und Vernichtung insbesondere von Serb*innen, Jüd*innen, Roma und politischen Gegnern führte (z.B. in Jasenovac). Im sozialistischen Jugoslawien (1945-1992) wurden diese Konflikte durch eine staatliche Erinnerungspolitik überlagert, blieben jedoch in familiären Erinnerungskulturen präsent, teils abweichend von der staatlichen Erinnerungskultur. Im Kroatienkrieg (1991–1995) traten die Konflikte erneut hervor, nun mit den Kroat*innen als unterdrückter Gruppe. Heute zeigt sich, dass für viele Kroat*innen aufgrund ihrer Geschichte die Unabhängigkeit ihres Landes zentral ist. Aufgrund der zeitlichen Nähe und persönlichen Betroffenheit, bzw. der Opferrolle der kroatischen Bevölkerung, prägt dieser Krieg die heutige kroatische Erinnerungskultur stärker als die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg.

Als Ergebnis unserer Feldforschung lässt sich festhalten, dass der beschriebene Konflikt auch heute noch eine Rolle spielt und seit jeher auch das Zusammenleben der kroatischen Bevölkerung im Inneren prägt. Das bestätigte sich nicht nur im Austausch mit anderen Forschungsgruppen, sondern auch in unseren Interviews, in denen uns einige Interviewpartner*innen berichteten, dass sie sich als kroatisches Volk zum Teil geteilt fühlen.

Ramet, Sabrina P.: Serbia, Croatia and Slovenia at Peace an at War. Selected Writings, 1983-2007. Wien u.a. 2008, S.30f.

Artikel · Zweiter Weltkrieg

Staat, Familie und Überlagerung

Wie staatliche und familiäre Erinnerungskultur zum Zweiten Weltkrieg heute vom Homeland War überlagert werden – mit Zitaten aus unseren Interviews.

Artikel · Zweiter Weltkrieg

Friedhöfe und Denkmäler

Der Mirogoj-Friedhof, das deutsche Soldatengräberfeld und das Bleiburg-Denkmal als sichtbare Orte staatlicher Erinnerungskultur.


Artikel · Sozialismus

Sozialismus in Kroatien

vielleicht noch ein kleiner Metatext zum Thema im Allgemeinen?

Artikel · Sozialismus

Fußball

Wie der Fußball in Kroatien zur sozialistischen Zeit organisiert war und welche Spuren davon bis heute sichtbar sind.

Artikel · Sozialismus

Vukovar

Von der Fabrik Borovo über den Ruderclub bis zu den Spuren rechtsextremer Symbole im direkten Umfeld.

Artikel · Sozialismus

Zagreb

Das Maksimir-Stadion und Mamutica als Beispiele sozialistischer Stadt- und Sportplanung in Zagreb.


Artikel · Heimatkrieg

Der kroatische Heimatkrieg

Platzhalter: vielleicht noch ein kleiner Metatext zum Thema im Allgemeinen? kann das sonst auch weglassen, würde aber glaube ich passen.

Artikel · Heimatkrieg

Familienerinnerung und öffentliche Erinnerung

Wie in Kroatien innerhalb der Familien und im öffentlichen Raum an den Heimatkrieg erinnert wird.

Artikel · Heimatkrieg

Zagreb

Wie kollektive und familiäre Erinnerung an den Krieg auch dort weitergetragen wird, wo Kriegsschäden das Stadtbild kaum noch prägen.

Artikel · Heimatkrieg

Osijek

Sichtbare Kriegsspuren im Stadtbild und ein Tabuthema innerhalb der Familien.

Artikel · Heimatkrieg

Vukovar

Die am stärksten vom Krieg gezeichnete Stadt und die unterschiedlichen Narrative, die sich um sie gebildet haben.

Artikel · Heimatkrieg

Wasserturm Vukovar

Eines der bekanntesten Wahrzeichen des Heimatkriegs – zwischen Mahnmal, Gedenkstätte und Pilgerort.

Artikel · Heimatkrieg

Gedenkstätte Vukovar

Das Memorijalni centar Domovinskog rata als Dokumentations- und Bildungszentrum zur Erinnerung an den Krieg.

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Artikel · Zagreb

Ankunft und erste Eindrücke

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Artikel · Migration

Migration im Wandel

Migration prägt Kroatien, wie nahezu jedes europäische Land, seit Jahrhunderten und ist bis heute ein zentraler Bestandteil seiner gesellschaftlichen Entwicklung. Dabei umfasst Migration unterschiedliche Formen: Emigration, Immigration, Binnenmigration und Transitmigration. Sie beeinflussen die Bevölkerungsstruktur ebenso wie wirtschaftliche, politische und kulturelle Prozesse.

Lange Zeit war Kroatien vor allem ein Auswanderungsland. Besonders im 20. Jahrhundert sowie nach den Heimatkriegen der 1990er Jahre verließen viele Menschen das Land, um in anderen europäischen Staaten wie Deutschland, Österreich oder Irland sowie in Nordamerika bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen zu finden. Gleichzeitig gewann die Binnenmigration, insbesondere die Abwanderung aus ländlichen Regionen in größere Städte wie Zagreb, zunehmend an Bedeutung.

Einen wichtigen Einschnitt stellte die sogenannte Flüchtlingskrise des Jahres 2015 dar. Als Transitland auf der Balkanroute wurde Kroatien Teil einer der größten Fluchtbewegungen Europas, auch wenn die meisten Schutzsuchenden das Land lediglich durchquerten. In den vergangenen Jahren hat sich Kroatiens Rolle jedoch gewandelt: Aufgrund des Arbeitskräftemangels steigt die Zuwanderung aus Drittstaaten, insbesondere aus südostasiatischen Ländern wie Nepal. Diese Entwicklung verändert die kroatische Gesellschaft und wird zunehmend öffentlich diskutiert.

Diese historischen und aktuellen Entwicklungen spiegelten sich auch in unseren Gesprächen mit Kroat:innen wider. Dabei wurde deutlich, dass Migration unterschiedlich wahrgenommen und bewertet wird und individuelle Erfahrungen sowie gesellschaftliche Veränderungen den Umgang mit dem Thema maßgeblich prägen. Obwohl während unserer Exkursion kaum der Eindruck einer vielfältigen Migrationsgesellschaft entstand, deuteten unsere Gespräche darauf hin, dass der Wandel Kroatiens von einem Transit- und Auswanderungsland hin zu einem zunehmend attraktiven Zielland für außereuropäische Arbeitsmigration die Öffentlichkeit zunehmend beschäftigt.

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Artikel · Migration

Eindrücke von Passanten und Zeitzeugen

Die folgenden Bilder wurden während unserer Interviews vor Ort aufgenommen. Zu den meisten Bildern gehört eine oder mehrere Audioaufnahmen mit der Originalstimme der befragten Person; darunter findest du gegebenenfalls das dazugehörige Zitat aus der Transkription zum Lesen.

Kroatische Flagge
Kroatische Flagge
„I think that people are afraid because Croatia was, I don't want to sound like some … It was like a clear country. Yeah, only Croatians lived in Croatia.“ Passant
Verlassene Straße in Vukovar
Verlassene Straße, Vukovar
Trostloses Haus
Trostloses Haus
„Like, when I was maybe 10 years, everyone left to Germany and to Dublin, something like that.“ Passant, Vukovar
Dugave, Zagreb
Dugave, Zagreb
„I see a lot of people like these workers living in this collecting, in these houses, in the apartments. But what I saw that they're mainly, you know, like, they're not part of the public.“ Passant, Zagreb
Zerschossenes Haus in Vukovar
Zerschossenes Haus, Vukovar
„So it's really sad, because you see, we know how we lived in that time that so many young people have died. Like 18, 19, they were fighting in the war they didn't even choose. And now their families are living in Ireland.“ Passant, Vukovar
Europa-Schild
Europa-Schild
„One of our colleagues calls it opportunistic humanitarianism, because they knew all people would just pass through.“ Dusko Petrovic, über die Flüchtlingsströme 2015
Kroatien-EU-Flagge
Kroatien-EU-Flagge
„There are a lot of people in Zagreb, but also a lot of people on the coast working in tourism, construction mainly. A lot of people from out of Europe. We have a lot of out of europe migration, like from Nepal, Philippines, i don't know not Ukraine, or like as a refugee.“ Dusko Petrovic, über Migration nach Kroatien heute
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Artikel · Migration

Kroatiens Migrationsgeschichte

Kroatiens Migrationsgeschichte ist geprägt von tiefgreifenden Brüchen, die vom Vielvölkerstaat über Weltkriege bis zur EU-Integration reichen.

Die deutsche Besiedlung unter den Habsburgern begann im 18. Jahrhundert, als nach der Vertreibung der Osmanen ganze Familien aus Bayern, Hessen und der Pfalz nach Slawonien geholt wurden. Sie gründeten Städte wie die Osijeker „Neustadt“ und waren als Handwerker und Bauern prägend. Noch 1890 stellten sie in Osijek die Mehrheit. Dieses goldene Zeitalter endete abrupt mit dem Zerfall der Monarchie.

Nach 1918 wurden die Deutschen im neuen Jugoslawien zur Minderheit. Der Druck verstärkte sich, und im Zweiten Weltkrieg radikalisierte sich ein Teil der „Volksdeutschen“. Diese Kollaboration führte nach 1945 zu ihrer kollektiven Verfolgung, Internierung und fast vollständigen Vertreibung. Ihre Zahl schrumpfte von über 120.000 auf einen Bruchteil.

Der nächste gewaltsame Bruch folgte im Heimatkrieg (1991–1995). Mit der Unabhängigkeitserklärung begannen militärische Auseinandersetzungen. Serbische Truppen vertrieben zehntausende Kroaten, besonders aus Ostslawonien. Die Zerstörung Vukovars 1991 zwang Tausende ins Exil. 1992 war Kroatien eines der Länder mit der höchsten Flüchtlingsdichte weltweit. Den Höhepunkt bildete die Offensive „Oluja“ (Sturm) im August 1995: Die kroatische Armee eroberte die Krajina zurück und mehr als 200.000 kroatische Serben flohen aus Angst vor Racheakten. Es kam zu Plünderungen, Brandstiftungen und über 1.000 getöteten Zivilisten. Die bis heute ungeklärten Verbrechen belasten die kroatisch-serbischen Beziehungen und veränderten die ethnische Zusammensetzung Kroatiens nachhaltig.

Kroatien selbst war zudem stets Auswandererland. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts suchten viele in Übersee ihr Glück. Ab den 1960ern zog es Hunderttausende als „Gastarbeiter“ nach Deutschland, eine bis heute andauernde Bewegung, die im Zuge des EU-Beitritts 2013 noch einmal massiv zunahm. Allein zwischen 2011 und 2021 verlor Kroatien rund 400.000 Einwohner an Westeuropa.

Dieser Verlust zwingt Kroatien heute zum Wandel: Es entwickelt sich zum Einwanderungsland. Den Zyklus der Migration abschließend, kamen ab 2014 nicht nur Arbeitskräfte aus Asien, sondern auch Flüchtlinge aus Asien und Afrika, die über die Balkanroute nach Westeuropa strebten. Kroatien ist damit Endpunkt alter deutscher Siedlungsgeschichte, Schauplatz traumatischer Vertreibungen und Durchgangsland neuer Flüchtlingsströme zugleich.

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Artikel · Habsburg

Das Habsburger Erbe

Beinahe 400 Jahre herrschte das mächtige Habsburger Reich über große Teile Europas, darunter auch das heutige Kroatien (1527–1918). Unzählige barocke Prachtbauten, Gesellschaftsreformen, Herrschaftskonflikte und einige schwere Kriege später, stellen wir uns die Frage, was im 21. Jahrhundert von der Habsburger Herrschaft in Kroatien verbleibt. Welche Grundsteine setzten die Habsburger der gegenwärtigen kroatischen Infrastruktur und Architektur? Wie prägte die Bevölkerungs- und Ansiedlungspolitik der Habsburger die heutige ethnische und sprachliche Vielfalt der kroatischen Gesellschaft?

Auf diese Fragen haben wir Antworten in den zahlreichen Facetten kroatischer Stadtlandschaften und Biografien gesucht. Dabei zeigte sich schnell, dass dieses Erbe regional sehr unterschiedlich sichtbar ist: Während Zagreb bis heute mit seinen repräsentativen Bauten und seiner Stadtplanung stark an Wien erinnert, machen in Osijek vor allem die Festungsanlage, die multiethnische Geschichte und die Lage an der ehemaligen Militärgrenze das habsburgische Erbe aus.

Eine grundlegende Frage hat uns besonders beschäftigt: Wie präsent ist das Habsburger Erbe im Alltag der Kroaten und was verknüpfen Menschen heute mit dieser Zeit? Eine einfache Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Von Dankbarkeit über gleichgültige Akzeptanz bis hin zu offenem Missfallen fingen wir alle Reaktionen ein. Einigkeit bestand jedoch in der Tatsache, dass das Habsburger Erbe zwar überdauert, jedoch keine wirkliche Präsenz in der kroatischen Erinnerungskultur einnimmt.

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Artikel · Habsburg

Stimmen zum Habsburger Erbe

Damir Vlahovic
Damir Vlahovic, Mitarbeiter am kroatischen Nationaltheater Zagreb
Studierende der filozofski fakultet
Studierende der filozofski fakultet der Universität Zagreb
„Geschichte wiederholt sich nicht, warum sollten wir darüber sprechen.“ Damir Vlahovic
„Man lebt für die Zukunft, nicht in der Vergangenheit.“ Damir Vlahovic
„Wir haben den Habsburgern viel Kultur und Infrastruktur zu verdanken (…) sie haben uns den Anschluss an Westeuropa ermöglicht.“ Damir Vlahovic
„History repeats itself (…) the same thing that was going on, when the Habsburg monarchy was up, it's still happening today, just in different forms.“ Studierende, filozofski fakultet Zagreb
„Croatia was always Croatia (…), but everything is influenced by them (the Habsburg Monarchy), so I think it's really colonial by them.“ Studierende, filozofski fakultet Zagreb

Fazit der Interviewten: „It's really difficult for us to dive into that history, because it's really far away from us, and you know after Habsburg monarchy there was Yugoslavia and now, we don't know, (..) we are Croatians, (…) but everything is like mashed up together, and nobody really knows what to root for, which political side to be on, what is Croatia at its core.“

Unser Fazit: In den Interviews stellten wir fest, dass die Menschen ihr Wissen über die Habsburger Monarchie zunächst unterschätzten. Im weiteren Gespräch wurde jedoch deutlich, dass grundlegendes Wissen zu diesem Thema, meist noch aus der Schulzeit, bestand. Die kollektive Erinnerung an die Habsburger Zeit wird durch jüngere Ereignisse, wie den Zweiten Weltkrieg und den Heimatkrieg, aus dem gesellschaftlichen Diskurs verdrängt.

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Transformation · Gesellschaft

Gesellschaft

LGBTQ+ Flagge in Zagreb
Bild 1: LGBTQ+ Flagge in Zagreb
„I guess what changed in Croatia (…) what you see is change; like buildings, your lifestyle… I think Croatia has become more liberal as a whole, people are more open-minded. And I see some new constructions, new apartment buildings, roads are being fixed…“ Passant
„I guess what changed in Croatia [...] what you see is change; like buildings, your lifestyle... I think Croatia has become more liberal as a whole, people are more open minded. And I see some new constructions, new apartment buildings, roads are being fixed and so on, but there is still much to do, you know, because, since the war...some buildings should be renovated, a lot of them...and I mean, I think the situation with this part of Croatia, in Slavonia, with people is, that they are still leaving [...] to Germany, to Ireland, or such countries, because it's a better life [...] and I mean, the inflation hit us all, pretty much in Croatia, I think it's one of the worst in Europe, I mean the rating of Inflation, I think it's the highest number [...] that's, more or less, [it] about the first question, things are being done, but they should be done more.“ (Passant, Osijek)
Fahrradstellplatz in Zagreb
Bild 2: Fahrradstellplatz in Zagreb
Rechte Aufkleber in Kriegsmuseum
Bild 3: Rechte Aufkleber in Kriegsmuseum

Es gibt verschiedene Meinungsbilder zu Kroatiens gesellschaftlichen Entwicklungen seit den 1990er Jahren. Auf der einen Seite gibt es den tiefen Wunsch nach einem gemeinschaftlichen Miteinander. Dieses Miteinander reicht von einer Jugo-Nostalgie, welche an eine vermeintliche Zeit der lokalen Selbstversorgung und des Zusammenhalts erinnert, bis hin zu einer Offenheit für rechtsextremes Gedankengut. Letzteres zeigt sich vor allem nach dem Großkonzert der stark kontroversen Band „Thompson“ im Juli 2025 in Form von öffentlicher Verherrlichung von rechtsextremen Symbolen. Auf der anderen Seite wird in eine Zukunft gedacht, in der Kroatien sich kulturell dem westlichen Europa annähert. Vor allem die jüngeren Interviewten sprachen sich für Gleichberechtigung, Toleranz und ein friedliches Miteinander aus.

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Transformation · Politik

Politik

Flagge Kroatiens
Bild 4: Flagge Kroatiens
„I think a lot of people actually view that we are part of the EU as a great thing. I think it is a good thing and generally most people have a positive attitude towards it.“ Passant
„I think a lot of people actually view that we are part of the EU as a great thing. I think it is a good thing and generally most people have a positive attitude towards it and you know, a lot of money comes from the EU, in projects and so on [...] so that's good, things are developing, I think, much faster than [if] we weren't [in] the EU, and I think people are generally happy with it, [but] we had a little bit of [a bias] with [the] Euro coming to us as a value, yeah, Kuna was before, and it was a big transition for us, but I think people got used to it pretty well, and I mean, the whole Europe is in Euro, so it does make sense, that's it“ (Passant, Osijek)
„Mislim da male zemlje ovdje na Balkanu baš pucaju na to (…) da budu uz nečiju čizmu.“
„Ich glaube, dass die kleinen Staaten hier auf dem Balkan immer danach streben, sich einer stärkeren Macht unterzuordnen.“ Studentin
„Većina nas mladih nekako želi ponovno to ujedinjene, i mislim da smo trenutno možda čak na dobrom putu za to. Jer, neka prošlost ostane prošlost i neka gradimo budućnost.“

„Kakav je pogled na EU, znači biti dio EU-a, u Hrvatskoj?“

„Pa ako pitate starije generacije to su htjeli, ali neznam, mogu li osobno na to odgovoriti? [...] Toliko su htjeli u EU, evo ga sada izgubila se valuta, lagano se gubi sve, imamo cijene po europskim standardima plaće nisu. Znači katastrofa [...] Mislim da male zemlje ovdje na Balkanu baš pucaju na to [...] da budu uz nečiju čizmu. A zato što smo mali svi pojedino, a da smo svi skupa ne bi nam trebao nitko. I ne vidim uopće potrebu zašto da idemo za Amerikom. I sad, bez uvrede, ali zašto mladi ljudi odlaze u Njemačku kada bi i ovdje mogli raditi i zivjeti jer je ovo tako divna zemlja a mislim da se to sve jako narušava pogotovo od ulaska u EU. Tu su sada jako puno mješanja kultura i svega, nemam ništa protiv ali nekako na duge staze to ne bi moglo biti dobro.“ (Studentin, Osijek)
Graffiti 1312
Bild 5: Graffiti „1312“
Tuđman Statue in Zagreb
Bild 6: Tuđman-Statue in Zagreb

Die politische Stimmung in Kroatien ist bis heute von Gegensätzen geprägt. Wesentliche Ursachen dafür sind der politische Umbruch in den 1990er Jahren sowie die langfristigen Folgen des Heimatkriegs. Die 1990er Jahre, die „Tuđman-Ära“ (Radonić 2010), waren gekennzeichnet von der autokratischen Führung des Präsidenten Franjo Tuđman und seiner Partei HDZ (Goldstein 1999). Menschen, die dieser politischen Regierung nahestanden, profitierten von den Privatisierungen der Firmen und Fabriken im Land, welche heute weitgehend leer stehen und verfallen (Goldstein 1999). Die darauffolgende Unzufriedenheit der Menschen führte nach dem Tod Franjo Tuđmans zu einem politischen Richtungswechsel, der eine stärkere Orientierung an liberalen Werten mit sich bringt. Heute ist die Stimmung im Land gespalten. Einerseits sind viele Bürger*innen unzufrieden mit den aktuellen Lebensstandards; es sei schwierig, sich in den aktuellen Krisen finanziell zurechtzufinden. Andererseits gibt es auch positiv Gestimmte; die EU-Mitgliedschaft fördere die Offenheit und den Fortschritt des Landes.

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Transformation · Architektur

Architektur

Die Transformation Kroatiens ist am deutlichsten in der Architektur seiner Städte abzulesen. Gebäude, die vom Krieg in Mitleidenschaft gezogen wurden, erleben die verschiedensten Schicksale; einige werden dem Boden gleichgemacht und durch moderne Neubauten komplett ersetzt, andere werden in ihren alten Zustand restauriert. Eine Vielzahl an Gebäuden wird auch dem Zerfall überlassen. Vor allem in Vukovar ist das ein häufiger Anblick. Im Kontrast zu Zagreb fehlt hier das Geld und das Interesse der Bevölkerung, die alten Gebäude mit neuem Leben zu füllen.

Altes Gebäude in Vukovar
Bild 8: Altes Gebäude in Vukovar
Beschossener Turm
Bild 9: Beschossener Turm

Eine besondere Sparte dieser Gebäudetransformationen wird von einem Forschungsteam in den zwei Forschungsprojekten „Postscapes (Externer Inhalt)“ und „PostCity (Externer Inhalt)“ an der Universität in Zagreb erforscht: Die ehemaligen Industriebauten im Umkreis von Zagreb sollen hier eine Quelle sein, um herauszufinden, wie sich der Postindustrialismus in Kroatien entwickelt.

„And since those people were not (…) experts, economic experts, managers, etc. (…) they destroyed everything. They were the ones that collapsed the industry. They don't know the business, but they wanted to get rich very very fast, due to corruption and nepotism.“ Professorin
„[...] the privatization process [...] was a very messy process. [...] It [social property] was not only owned by the government, but by the people, formally. It went to private hands for very cheap. [...] The idea of privatization in Croatia is the idea of it being a huge robbery [...] this is something that dominates the public discourse of the economic transformation in the nineties. The discourse is that those that were close to the nationalist government were very privileged and they got the right to buy former socially-owned factories for one Kuna, let's say. This was former Croatian currency, which is one-seventh of an euro today. So this is kind of a hyperbolized image of modernization [...]. And since those people were not experts, economic experts, managers, etc. [...] they destroyed everything. They were the ones that collapsed the industry. They don't know the business, but they wanted to get rich very very fast, due to corruption and nepotism.“ (Professorin, Zagreb)
Verlassenes Hotel
Bild 7: Verlassenes Hotel

Transformationserfahrungen sind auch an privaten Innenräumen abzulesen, zu dieser Thematik gibt es eine Ausstellung im Centar za Kulturu Sesvete in Zagreb: „O Prolaznosti Marija Lopac (Externer Inhalt)“.

„So these are important photos, because people are already long time dead, died, but their memories, their photos are still in walls.“ Ausstellungsleiterin
„Actually, [the] exhibition is about [...] passing time, like, our memories. A main topic in my exhibition is photos of [an] old house, [this] old house that is old, more than 100 years, [it's] in a village near Zagreb. And this house [has] photos of people who [went] to war in [the] First World War and [the] Second World War. So these are important photos, because people are already a long time dead, died, but their memories, their photos are still in [the] walls. And this house is really collapsing, like, [the] roof is damaged, [the] floor, everything. It's like some tree coming inside, trying to go inside [the] house, like nature. So that was the main topic for me [...]“ (Ausstellungsleiterin, Zagreb)
Bilderreihe aus der Ausstellung
Bild 10: Bilderreihe aus der Ausstellung
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Artikel · Zweiter Weltkrieg

Staat, Familie und Überlagerung

Staat und Familie

Im Stadtbild der von uns besuchten Städte Zagreb, Osijek, Vukovar und Požega fanden sich nur sehr wenige Zeugnisse staatlicher Erinnerungskultur zu den Geschehnissen des Zweiten Weltkriegs. Nur wenige Denkmäler und Gedenkstätten stellen diese dar. Auch in Interviews zeigte sich, dass der kroatische Staat zwar Gedenktage begeht, diese im Alltag und Leben der Menschen allerdings nicht sehr präsent sind. Auf unsere Frage, wie viel in der Schule zum Thema unterrichtet wird, bekamen wir sehr unterschiedliche Antworten, unabhängig vom Alter unserer Interviewpartner*innen. Ein Mädchen berichtete uns davon, dass sie mehr zum Thema Zweiter Weltkrieg lernen als Schüler*innen in anderen europäischen Ländern. Die meisten anderen Interviewpartner*innen berichteten davon, dass sie wenig darüber lernen, unabhängig davon, ob sie vor oder nach dem Homeland War in der Schule waren.

„I think we learn history more than other european countries“Mädchen
„How much did you learn?“ – „Pretty much“Rauchender Mann
„Oh yes, we covered it, but not in details so much, because we learn a lot about, not specific things but about everything, we learn about world history and also Croatian history and Greek historic and everything, so we don't have a lot of time for specific topics“Kristina, ca. 1:30

Auch in familiären Erinnerungen spielt das Thema des Zweiten Weltkriegs eine, wenn überhaupt, untergeordnete Rolle. Auf unsere Frage, ob und wie die Menschen in ihrem privaten Umfeld mit Familie und Freund*innen erinnern und gedenken, bekamen wir oft zu hören, dass im Alltag nicht über das Thema gesprochen wird und auch nicht daran oder an jemanden gedacht wird. Nur in Ausnahmen wurde uns erzählt, dass vereinzelt noch mit Großeltern darüber gesprochen wird, wenn bzw. als diese noch leb(t)en. Stattdessen erwähnen unsere Interviewpartner*innen, dass der Zweite Weltkrieg besonders in politischen Kontexten oder Debatten, auch im Internet, zur Sprache kommt. So werden etwa, um gegen „die andere Seite“ zu argumentieren, Parallelen zwischen dem Zweiten Weltkrieg bzw. der Ustaša und heutiger politischer Gesinnung gezogen.

„Second World War is not any much of daily conversation anymore, it´s not, they, our politicans use that phrase from second world war just to cover up something bigger things so people get divided, one was on the side of nationalism and the other one is communist…“Mann
„Yes they have memorial days when they go to this to this places where crimes happen and than they put candles there so it´s still somehow present“ – „But are the memorial days present in your everyday life?“ – „No, or like, for me personally? No, no, but but every times someone is argueing or put comments on a facebook, no facebook, on the internet they will always mention…“Kristina, ca. 5:40

Auch ein Reiseleiter, den wir in Vukovar trafen, teilte seine Perspektive mit uns. Er wurde in Vukovar geboren, hat während des Heimatkrieges 15 Jahre lang in Österreich gelebt und ist heute Reiseleiter auf einem Schiff, das zum Zeitpunkt des Interviews in Vukovar am Hafen angelegt hatte.

„Würden Sie sich wünschen, es gäbe mehr Erinnerung [an den Zweiten Weltkrieg]?“ – „Sicherlich, das ist auch Geschichte von Vukovar, und auch Geschichte von Slawonien. Aber leider heutige Kroaten wollen nicht über dieses Thema hören.“Reiseleiter, Vukovar

Überlagerung durch den Homeland War

In unserer Forschung, vor allem in Interviews, hat sich gezeigt, dass sowohl die staatliche als auch die familiäre Erinnerungskultur zum Zweiten Weltkrieg stark vom Homeland War überdeckt ist. In allen Interviews kamen unsere Interviewpartner*innen meist schon nach wenigen Minuten und von selbst auf dieses Thema zu sprechen. In den meisten Fällen hatten die Menschen durch die zeitliche Distanz zum Geschehenen und dem Wegbrechen von familiären Zeitzeug*innen keinen, oder einen nur noch sehr geringen, Bezug zum Thema. Anders als beim Homeland War, den einige unserer Interviewpartner*innen im In- und Ausland erlebt haben, während andere in zweiter Generation die Erlebnisse ihrer Eltern kennen und diese Erinnerungen weitertragen.

„Like second world war? Well for older people yes, they are still divided, there´s still … so in our homeland war we were really, let´s say, united but in the second world war, an it´s still alive today …“Kristina, ca. 2:30

Kroatische Unabhängigkeit

In vielen der von uns geführten Interviews kam das Thema der Unabhängigkeit auf. Es war spürbar, dass dieses Thema den Menschen wichtig ist und tief in ihrem Verständnis eines kroatischen Volkes bzw. Staates verankert ist. Bei uns entstand der Eindruck, der sich in einem Interview deutlich bestätigte, dass die kroatische Bevölkerung den Eindruck hat, die Unabhängigkeit des Staates verdient zu haben.

In einem Interview sprach unser Interviewpartner unter anderem auch die Rolle Titos an, und man konnte deutlich hören und merken, dass seine Abneigung gegen ihn tief sitzt. Was zum einen mit den Ereignissen in Bleiburg zusammenhängt, die im Interview deutlich zur Sprache kamen, und zum anderen mit den darauffolgenden Jahren des jugoslawischen Staates, in dem Tito über den ehemals unabhängigen kroatischen Staat regierte.

„Aber wir haben uns befreit im Domovinski rat 1991 bis 1995, das war Domovinski rat, Heimatkrieg“ (bezogen auf Tito und Kommunismus)Ivan
„We were defending ourselves through all our history and that's why it's so emotional for us, because we just wanted to be independent all the time and we just couldn't because we were always under someone or attacked by someone“Kristina, ca. 13:00
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Artikel · Zweiter Weltkrieg

Jasenovac: Einordnung

Im ehemaligen KZ Jasenovac wurden überwiegend Serbinnen und Serben (über 47.000, Homepage Memorial-Museum Jasenovac), aber auch Jüd*innen, Roma und politische Gegner ermordet. Das Jonglieren mit den Opferzahlen in Jasenovac ist ein Mittel zur politischen Positionierung innerhalb kroatischer Geschichte (Steindorff 2020, S. 191f.). In Jugoslawien wurde die Opferzahl in Jasenovac auf bis zu 700.000 (Homepage Memorial-Museum Jasenovac) angegeben, Zählungen von Historiker*innen, auf die sich das Memorial Museum Jasenovac bezieht, ergeben eine Zahl zwischen 80.000 und 90.000 Toten.

Das an das Gelände anschließende Gebäude der Gedenkstätte erinnert mit dem dunklen Design und der Zentrierung auf Fakten und die Opfer, wie etwa durch gläserne Tafeln mit Namen an der Decke, an die klassische europäische Holocaust-Erinnerungskultur.

Zur sozialistischen Zeit Jugoslawiens war ein Besuch Jasenovacs regelmäßig vorgesehen und in Schule und staatlicher Erinnerung integriert. Die staatliche Erinnerungspraxis eines geeinten Jugoslawiens, das die Aufarbeitung des Faschismus veranschaulichen und die Einigkeit stärken sollte, funktionierte aber nur oberflächlich. Währenddessen lebten aber in familiären und privaten Räumen davon abweichende Erinnerungen fort.

Bei unserem Besuch fällt auf, dass das architektonische Denkmal und die Gedenkstätte wenig besucht sind, verlassen wirken und von der kroatischen Bevölkerung gemieden werden.

Diese Beobachtung reiht sich in unsere Erkenntnis ein, dass die kroatische Bevölkerung zu großen Teilen die faschistische Vergangenheit des Landes meidet, bewusst verschweigt oder verharmlost. Davon zeugt auch die geringe Gesprächsbereitschaft über den Zweiten Weltkrieg und das direkte Gegenüberstellen mit dem Homeland War.

Die Steinerne Blume, Gedenkstätte Jasenovac
Blume Jasenovac
Namenstafeln an der Gedenkstätte Jasenovac
Namen Jasenovac
Gedichtzitat zu Jasenovac
Zitat Jasenovac

Gdje je mala sreća, bljesak stakla,

Lastavičje gnijezdo, iz vrtića dah;

Gdje je kucaj zipke, što se makla,

I na traku sunca zlatni kućni prah?

Ivan Goran Kovačić

That simple happiness, the window's glint;

Swallow and young; or wind borne garden sweet -

Where? – The unhurried cradle's drowsy tilt?

Or, by the threshold, sunshine at my feet?

(Translated by Alec Brown)

Serbo-Croatian Poetry Translation - Jama (Externer Inhalt) Serbo-Croatian Poetry Translation – Jama.

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Artikel · Zweiter Weltkrieg

Bleiburg: Einordnung

Die Beobachtungen von einer Erinnerung an die kroatische Geschichte der Unabhängigkeit veranschaulicht die Erinnerungspraxis im österreichischen Bleiburg. Das in den 1980ern dort geschaffene Denkmal wurde zu Beginn unter anderem direkt von der kroatischen Regierung unterstützt und diente lange als Pilgerort für zehntausende Faschist*innen europaweit. Von überwiegend kroatischen Faschist*innen wird der Ort heute als „Ort des Sterbens des kroatischen Volks“ bezeichnet. Die Jugoslawische Volksarmee hatte in Bleiburg 1945 unmittelbar nach Kriegsende bzw. noch im Kriegsgeschehen Gruppen überwiegend bewaffneter Faschisten (Kroaten, Bosniaken und Serben), die nach Österreich hatten fliehen wollen, festgesetzt und umgebracht. Auch wenn die inzwischen verbotenen Zusammenkünfte in Bleiburg und die Existenz des „Erinnerungsortes“ nicht repräsentativ für die kroatische Bevölkerung sind, zeugt seine Existenz von einem seit Jahrzehnten schwelenden Konflikt, durch den sich auch die geringe Gesprächsbereitschaft über den Zweiten Weltkrieg und Kroatiens Rolle darin erklären lässt.

Anhand der Verzerrung eines historischen Ereignisses wird der Zweite Weltkrieg instrumentalisiert, seine Verbrechen, insbesondere auch die Verantwortlichkeiten des Ustaša-Regimes und kroatischer Faschisten, bewusst verharmlost und so die Opferzahlen (überwiegend auf serbischer Seite) relativiert. Stattdessen wird „das kroatische Volk“ als leidtragend und in der reinen Opferrolle während des Krieges dargestellt. Das bewusste Verharmlosen bzw. Außenvorlassen der kroatischen, faschistischen Vergangenheit von 1941 bis 1945 beobachteten wir auch in einigen Interviews während unserer Forschung. Auch wenn unser Besuch zeigte, dass die Popularität des Ortes im Rückgang ist, scheint die Überzeugung von der Rechtmäßigkeit der eigenen Vergangenheit, insbesondere weil sie sich für die Unabhängigkeit des kroatischen Staates einsetzten, tief im Gedächtnis vieler Kroatinnen und Kroaten verankert zu sein.

Altar an der Gedenkstätte Bleiburg
Altar Bleiburg
Gedenkstätte Loibacher Feld bei Bleiburg
Bleiburg
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Artikel · Zweiter Weltkrieg

Friedhöfe und Denkmäler

Friedhöfe und Gedenkstätten sind wichtige Orte der Erinnerung, da sie Geschichte, Gedenken und den Umgang mit Verstorbenen sichtbar machen. Während der Exkursion besuchten wir den Grič-Tunnel in Zagreb, den Mirogoj-Friedhof mit dem Bleiburg-Denkmal sowie den deutschen Soldatenfriedhof. Auf dem Mirogoj-Friedhof befindet sich ein Gräberfeld, auf dem heute mehr als 4.000 deutsche Soldaten des Zweiten Weltkriegs bestattet sind. Das Gräberfeld wurde in den 1990er-Jahren vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge neu gestaltet und 1996 als Zubettungsfriedhof eingeweiht. Die Pflege des Soldatengräberfeldes erfolgt im Rahmen einer deutsch-kroatischen Zusammenarbeit: Während Kroatien den Schutz der Gräber und das dauerhafte Ruherecht gewährleistet, übernimmt der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland die Herrichtung und Pflege der Anlage. Die gemeinsame Verantwortung Deutschlands und Kroatiens für den Erhalt der Anlage verdeutlicht, dass die Erinnerung an die Folgen des Zweiten Weltkriegs bis heute grenzüberschreitend gepflegt wird.

Ebenfalls auf dem Mirogoj-Friedhof steht das 1994 errichtete Bleiburg-Denkmal, das vom kroatischen Bildhauer Augustin Filipović geschaffen wurde und an die Opfer von Bleiburg und der anschließenden Todesmärsche erinnert. Als öffentlich zugängliche Gedenkorte sind sowohl das Soldatengräberfeld als auch das Bleiburg-Denkmal Teil der staatlich sichtbaren Erinnerungskultur und prägen den gesellschaftlichen Umgang mit der Vergangenheit. Die unterschiedlichen Erinnerungsorte verdeutlichen, dass Geschichte je nach historischem und gesellschaftlichem Kontext verschieden dargestellt und erinnert wird.

Bronzerelief am Bleiburg-Denkmal
Bleiburg, Bronzerelief
Denkmal auf dem deutschen Soldatenfriedhof
Denkmal, Soldatenfriedhof
Überblick über den deutschen Soldatenfriedhof
Soldatenfriedhof, Überblick
  • Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.: Kriegsgräberstätte Zagreb-Mirogoj.
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Artikel · Sozialismus

Fußball

Fußball ist weit mehr als ein Sport. Er weckt Emotionen, stiftet Gemeinschaft und dient vielfach als Ausdruck gesellschaftlicher und politischer Identität. Unabhängig davon, welche persönliche Bedeutung man ihm beimisst, gehört er zu den prägenden kulturellen Phänomenen der Gegenwart – nicht nur in Deutschland, sondern auch in Kroatien.

In Kroatien gilt Fußball als Nationalsport und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die eng mit den politischen Entwicklungen des Landes verknüpft ist. Viele der bis heute bedeutendsten kroatischen Fußballvereine entstanden während der sozialistischen Ära Jugoslawiens unter Josip Broz Tito. Sie waren in das System der Arbeiterselbstverwaltung eingebunden und gingen vielfach aus betrieblichen oder lokalen Arbeitervereinen hervor. So bestand beispielsweise zwischen dem Verein Dinamo Zagreb und den Zagreber Industriebetrieben eine enge Verbindung. Fußballvereine waren in dieser Zeit nicht nur sportliche Institutionen, sondern zugleich Ausdruck des sozialistischen Gemeinschaftsgedankens, der soziale Solidarität stärker betonen sollte als nationale Zugehörigkeiten.

Mit dem Zerfall Jugoslawiens gewann der Fußball jedoch zunehmend eine nationale und politische Dimension. Einen symbolträchtigen Wendepunkt markierte das Ligaspiel zwischen Dinamo Zagreb und Roter Stern Belgrad am 13. Mai 1990. Bereits vor dem Anpfiff kam es zu schweren Ausschreitungen zwischen den Fanlagern, die sich auf das Spielfeld ausweiteten. Internationale Aufmerksamkeit erregte insbesondere die Szene, in der Dinamo-Kapitän Zvonimir Boban einen Polizeibeamten mit einem Tritt attackierte, nachdem dieser auf Dinamo-Anhänger eingeschlagen hatte. Dieses Ereignis gilt bis heute als eines der prägnantesten Sinnbilder der eskalierenden Spannungen innerhalb Jugoslawiens und wird häufig – wenn auch eher symbolisch als tatsächlich – als Vorbote der wenige Monate später einsetzenden Jugoslawienkriege interpretiert.

Die Geschichte des kroatischen Fußballs verdeutlicht eindrucksvoll, wie eng Sport, Politik und gesellschaftliche Identität miteinander verwoben sein können. Vor diesem Hintergrund gingen wir der Frage nach, welche Spuren der sozialistischen Vergangenheit und der politischen Umbrüche bis heute im kroatischen Fußball erkennbar sind und wie sich diese insbesondere in der Fankultur und der Identität der Vereine widerspiegeln.

Artikel · Sozialismus

Stadion Maksimir

Das Heimstadion von Dinamo Zagreb als Zeugnis sozialistischer Sportpolitik – und seine ungewisse Zukunft nach dem Erdbeben von 2020.

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Artikel · Sozialismus

Stadion Maksimir

Während unseres Aufenthalts in Zagreb besuchten wir das Maksimir-Stadion, das Heimstadion von Dinamo Zagreb. Das Stadion wurde 1912 eröffnet und während der Zeit Jugoslawiens im Sozialismus mehrmals umgebaut. Es spiegelt die Bedeutung des Sports im sozialistischen Staat wider. Damals investierte der Staat gezielt in Sportanlagen im Land als Teil seiner Sportkultur und Sportpolitik. Das Stadion diente als Austragungsort für viele Sportereignisse und prägt bis heute das Stadtbild Zagrebs. Nach dem Erdbeben von 2020 wurden Schäden festgestellt, weshalb das Stadion nun abgerissen und durch eine neue Baut ersetzt werden soll.

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Artikel · Sozialismus

Borovo

Zu Fuß machen wir uns auf den Weg von Vukovar nach Borovo. Unser Ziel ist es, die Reste der ehemaligen Sportanlagen zu finden. Kaum erreichen wir die Hauptstraße verändert sich das Stadtbild. Spärliche Bebauung, heruntergekommene Häuser reihen sich an der linken Straßenseite. Zu unserer Rechten steht das alte Bahnhofsgebäude – inzwischen mehr Ruine, doch an der Fassade prangt ein neu angebrachtes Schild: „Vukovar“. Die Straße entlang passieren wir weitere Zeichen der Zerstörung. Niedrige Häuser, Tankstellen, ein Lidl, Spar und andere Ketten, in der Ferne ein Kaufland. Zu unserer Rechten ragen fortlaufend die Türme der alten Fabrik empor.

Wir biegen in das Industriegebiet ein. Eine weite Brachfläche erstreckt sich vor uns. Wir laufen an einem Schild vorbei, später werden wir noch weitere finden. Links oben ist die Flagge der EU zu sehen, rechts die Flagge Kroatiens. Wir lassen uns das Kroatische übersetzen:

★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★
Finanzierung Europäische Union
NextGenerationEU

Projektname

Verbesserung des öffentlichen Entwässerungssystems der Stadt Vukovar.

Unweit von uns läuft ein Mann. Wir fragen ihn nach den alten Sportanlagen in Borovo. Er spricht nur gebrochen Englisch, doch gelingt es uns, ihm unser Ziel zu erklären. Freundlich weist er uns den Weg, läuft bis zur nächsten Kreuzung, bei der er auf uns wartet und erneut die Richtung deutet. Mehrfach wiederholt sich das.

Die Umgebung wird wieder dichter bebaut. Mehrer gleich aussehende Plattenbauten reihen sich aneinander. Die Gegend ist grün. Zwischen dem dichten Bewuchs ragen weitere zerstörte Fabrikteile hervor. Noch einmal wartet der Mann auf uns. Geradeaus, erklärt er, liege der alte Ruderclub. Wir bedanken uns bei ihm und folgen seiner Wegbeschreibung.

Der alte Ruderclub erweist sich als Hülle aus Backstein und Zementresten. Unweit des Gebäudes fällt die Böschung zur Donau ab. Auf einem großen Stein neben dem Gebäude ist eine Gedenktafel angebracht. Am Ende des kroatischen Textes steht das Datum 19.11.1991.

An der Donauseite des Ruderclubs verläuft eine schmale Promenade. Auf ein paar Bänken sitzen Menschen und unterhalten sich. Wir sprechen eine Gruppe an und fragen ob jemand Englisch spricht. Ein Mann bejaht. Auf unsere Frage ob er uns etwas zu dem Gebäude erzählen könne, beginnt er sofort zu berichten. Er kenne den Ort sehr gut. Im Heimatkrieg habe er mit fünfzig Kämpfern das Gelände verteidigt. Sein Hauptmann Zorana Šipoša stehe auch auf der Gedenktafel am Haus. Dann deutet er auf den Mann neben sich und erzählt lachend, im Krieg habe er auf ihn geschossen. Der erwiedert scherzend sie seien damals miserable Schützen gewesen. Beim nächsten Krieg werde er besser vorbereitet sein. Unser Gesprächspartner wendet sich wieder zu uns und meint schmunzelnd der Alte sei nicht mehr ganz dicht im Kopf. Wieder lachen beide, dann fährt er fort:

Nachdem Borovo gefallen war, sei er für zwei Wochen im Konzentrationslager gewesen – die olympischen Spiele hätten sie auf einem geschmuggelten Radio mitverfolgt – anschließend drei Monate Kriegsgefangenschaft.

In seiner Jugend habe er im Café auf der Dachterrasse des Clubs gegessen. Auch zur Fabrik habe er einen persönlichen Bezug: Dort arbeitete er mehrere Jahre in der Produktion von Weichplastik für Autoreifen. Borovo, erzählt er, sei einst eine große Sportstadt gewesen. Rund zwanzig Sportarten habe man hier ausüben können. Wir fragen ihn, ob es heute besser sei als früher. Er überlegt kurz. Die Frau neben ihm auf der Bank schüttelt den Kopf, doch er antwortet schließlich mit Ja. Den Sozialismus vermisse er nicht. Er freue sich über den Kapitalismus, über Geschäfte wie Lidl und Kaufland und darüber, dass inzwischen sogar ein McDonald's nach Vukovar gekommen sei. Gleichzeitig kritisiert er die Korruption und beklagt, dass Borovo gegenüber Vukovar vernachlässigt werde. Mit einer Handbewegung deutet er auf den ehemaligen Ruderclub. Man könne ihn sanieren oder abreißen, stattdessen verfalle er seit Jahrzehnten.

Nationalismus lehnt er entschieden ab. Er bezeichnet sich selbst als „Citizen of the World“ und erzählt, dass er mehr als dreißig Jahre im Vereinigten Königreich gelebt habe, bevor er vor wenigen Jahren nach Borovo zurückkehrte, um seine Mutter zu pflegen. Trotz der Widersprüche, die seine Geschichte prägen, fühlt er sich hier zu Hause. Zum Abschied geht er hinunter an die Donau, um schwimmen zu gehen. Wir machen uns auf den Rückweg.

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Artikel · Sozialismus

Die alte Fabrik

Es ist eine industrielle Erfolgsgeschichte, die 1931 ihren Lauf nimmt und einer Region zu Wohlstand verhilft. Über 22 Tausend Mitarbeiter beschäftigt die Schuhfabrik Borovo bei Vukuvar zu ihrer Hochzeit in den 1980er Jahren. 23 Millionen Schuhe werden jedes Jahr produziert, dazu 580 Tausend Autoreifen, sowie 12.500 Tonnen technischer Gummiwaren.

Um die Arbeiter unterbringen zu können, entsteht rund um die Fabrik eine weitläufige Wohnsiedlung. Mit ihr wächst ein breites Freizeitangebot: Bereits in den 1930er Jahren werden ein Flugplatz, Tennisplätze und ein Fußballstadion gebaut. Mit der Entstehung des sozialistischen Jugoslawiens erhält die Sportförderung weitere Mittel. In den nächsten Jahren folgen Sporthallen, Schwimmbäder, Laufbahnen und weitläufige Grünanlagen. An der Donau etabliert sich zudem ein Ruderclub.

Auf alten Bild- und Filmaufnahmen ist sie noch zu sehen: die Fabrik, die Wohnsiedlung und die zahlreichen Sportanlagen. Die Bilder sind voller Zuversicht inszeniert. Lächelnd verrichten Arbeiter ihre Arbeit, die Sportplätze sind belebt und öffentliche Wettkämpfe ziehen zahlreiche Zuschauer an.

Dann bricht 1991 der Kroatische Unabhängigkeitskrieg aus. Viele Beschäftigte von Borovo beteiligen sich an der Verteidigung Vukovars. Während der anschließenden Schlacht um die Stadt wird ein Großteil der Fabrikanlagen zerstört. Als Borovo 1998 den Standort zurückerhält, liegt das Werksgelände weitgehend in Trümmern.

Heute, fast drei Jahrzehnte später, prägen Ruinen noch immer weite Teile des ehemaligen Werksgeländes. Nur ein kleiner Teil der Fabrik ist wieder in Betrieb genommen. Rund 600 Mitarbeiter produzieren dort jährlich etwa 400.000 Paar Schuhe sowie verschiedene technische Gummiprodukte. Ein Bruchteil der einstigen Produktion.

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Artikel · Sozialismus

Ruderclub Vukovar

Während unseres Aufenthalts in Vukovar besuchten wir den dortigen Ruderclub Hrvatski veslački klub und führten ein Interview mit dem 32-jährigen Trainer Ivan. Er rudert schon seit 15 Jahren in Vukovar und erzählt uns von der Geschichte des Clubs:

Nicht nur der Wiederaufbau spielt eine Rolle, sondern auch die Veränderungen während der sozialistischen Zeit. So wurde der Zusatz ,,hrvatski‘‘ (kroatisch) aus dem Vereinsnamen entfernt, da im ehemaligen Jugoslawien nationale Bezeichnungen nicht erwünscht waren. Der Club war auch fest in das jugoslawische Sportsystem eingebunden und wurde von staatlichen Betrieben, wie dem Kombinat Borovo finanziell unterstützt.

Im weiteren Gespräch schildert Ivan seine Sicht auf den kroatischen Unabhängigkeitskrieg und die Geschehnisse in Vukovar:

Im Ruderclub befindet sich außerdem eine Gedenktafel, die an Mitglieder des Vereins erinnert, die während des Unabhängigkeitskrieges ums Leben kamen.

Namenstafel im Ruderclub Vukovar
Namenstafel

Die Namenstafel bleibt im Ruderclub nicht die einzige Erinnerung an die Opfer des Unabhängigkeitskrieges:

Die Regatta findet traditionell am letzen Septemberwochenende statt. Das Datum erinnert an den 23. September 1991, an dem die 204. Vukovar- Brigade gegründet wurde, die während der Belagerung Vukovars an der Verteidigung der Stadt beteiligt war. „A lot of our members gave their life for Croatia.“

Zum Abschluss unseres Gesprächs erzählte uns Ivan, welche Bedeutung der Rudersport und der Sport heute für die Menschen in Vukovar hat:

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Artikel · Sozialismus

Im Umfeld des Ruderclubs

Obwohl sich der Ruderclub bemüht, die Erinnerung vor allem im Gedenken an die Opfer wachzuhalten, finden sich im direkten Umfeld des Vereins nach wie vor rechtsextremistische Symbole*. **(**Verlinkung Symbol-Überblick)*

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Artikel · Sozialismus

Mamutica

In Zagreb besuchten wir auch Mamutica, das größte Wohngebäude Zagrebs und ein anschauliches Beispiel für den sozialistischen Städtebau. Das Gebäude wurde 1974 eröffnet und bietet über 1.100 Wohnungen. Mamutica liegt im Stadtteil Novi Zagreb und sollte Wohnen und Freizeit an einem Ort vereinen. Im sozialistischen Jugoslawien galt Sport als wichtiger Bestandteil des Alltags und sollte Gemeinschaft, Gesundheit und vor allem die Jugend fördern. Aus diesem Grund wurden diese Wohnbauten mit Grünflächen geplant, die auch rund um Mamutica zu finden sind und heute zahlreiche Sportplätze zur Verfügung stellen. Viele davon wurden zwar erst in den letzen Jahren neu gebaut, greifen aber die ursprüngliche Vorstellung der sozialistischen Zeit auf.

Vor Ort treffen wir auf eine Sport-Influencerin, die uns etwas über einen der Sportplätze erzählt.

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Artikel · Heimatkrieg

Familienerinnerung und öffentliche Erinnerung an den Heimatkrieg in Kroatien

Wie wird heute in Kroatien an den Heimatkrieg (1991–1995) erinnert, im öffentlichen Raum und innerhalb der Familien? Mit dieser Frage haben wir uns während unserer Exkursion nach Zagreb, Osijek, Požega und Vukovar beschäftigt. Unser Ziel war es, herauszufinden, wie der Krieg mehr als dreißig Jahre nach seinem Ende erinnert wird und welche Rolle persönliche und familiäre Erfahrungen dabei bis heute spielen.

Um unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen, haben wir Expertinneninterviews mit Historikerinnen und Wissenschaftler*innen sowie Straßeninterviews mit Menschen verschiedener Generationen geführt. Besonders interessiert hat uns, welche Bedeutung familiäre Erzählungen für die Erinnerung an den Krieg haben und wie diese an jüngere Generationen weitergegeben werden.

Unsere Gespräche haben gezeigt, dass der Heimatkrieg in Kroatien nach wie vor tief im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert ist. Gleichzeitig hat uns überrascht, dass viele Menschen heute bewusst den Blick nach vorne richten möchten und nur ungern über ihre persönlichen Kriegserfahrungen sprechen. Gerade in Vukovar, wo die Folgen des Krieges im Stadtbild bis heute besonders sichtbar sind, betonten vor allem jüngere Gesprächspartner*innen, wie wichtig es ihnen ist, nicht ausschließlich in der Vergangenheit zu leben, sondern den Blick auf die Zukunft zu richten. Dennoch bleibt der Krieg vielerorts präsent – etwa durch Denkmäler, Gedenkorte und Gedenkveranstaltungen. Auch innerhalb der Familien wird die Erinnerung weitergegeben, allerdings sehr unterschiedlich: Während manche offen über ihre Erlebnisse sprechen, werden andere Erfahrungen kaum thematisiert oder bewusst ausgeklammert.

Durch die Verbindung von Expert*inneninterviews und persönlichen Gesprächen konnten wir unterschiedliche Formen der Erinnerung miteinander vergleichen. So wurde deutlich, dass die Erinnerung an den Heimatkrieg nicht nur durch die offizielle Gedenkkultur geprägt wird, sondern vor allem auch durch persönliche Erfahrungen und den Umgang der Familien mit ihrer eigenen Vergangenheit.

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Artikel · Heimatkrieg

Zagreb

„There is never a universal truth, but only different perspectives of the truth, and we should be aware of it”Student
„Our families were (mostly) a lot less impacted by the war in the sense that the city was still standing and in a way far away from the epicentres of the war.”Student
„well [the younger generations] learn it from history in school … and they are well aware of all that, but the difference is they didn't experience it in person. Younger generations can only read it from the books, but they don't tell the whole story…”Citizen
„Young people mostly view the war as something that wasn't either nations fault as a whole, but something that politics and politicians are at fault for. It isn't as black and white as some people make it to be.”Student
Gebäude in Zagreb
Wall of Pain, Mirogoj-Friedhof

Im Vergleich zu Osijek und Vukovar sind die Auswirkungen des Kroatischen Heimatkriegs in Zagreb heute deutlich weniger sichtbar. Die kroatische Hauptstadt blieb von großflächigen Zerstörungen weitgehend verschont und präsentiert sich heute vor allem als politisches, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum des Landes. Trotzdem ist der Heimatkrieg fester Bestandteil der öffentlichen Erinnerungskultur. Im gesamten Stadtgebiet finden sich Denkmäler und Gedenkorte, die an die Opfer und Ereignisse des Krieges erinnern. Darüber hinaus wird die Erinnerung durch verschiedene nationale Gedenktage und öffentliche Zeremonien lebendig gehalten.

Während unseres Aufenthalts besuchten wir unter anderem die Wall of Pain (Zid boli) auf dem Mirogoj-Friedhof. Die in das Denkmal eingravierten Namen der Gefallenen und Vermissten machten die menschlichen Folgen des Krieges besonders eindrücklich sichtbar und verliehen den oft abstrakt wirkenden Opferzahlen eine persönliche Dimension.

Das Interview mit einer Studentin aus Zagreb ergänzte unsere Eindrücke um eine persönliche Perspektive. Bereits in der dritten Klasse kam sie das erste Mal bewusst mit dem Heimatkrieg in Berührung, insbesondere im Rahmen des nationalen Gedenktags für die Opfer des Heimatkriegs und die Opfer von Vukovar und Škabrnja am 18. November, an dem der Unterricht dem Krieg und seinen Opfern gewidmet war. Bis heute werden die Ereignisse auch regelmäßig in ihrer Familie thematisiert, persönliche Geschichten und aktuelle politische Debatten greifen die Erinnerung immer wieder auf. Gleichzeitig betonte auch sie, dass sich die Erinnerung in Zagreb von der in Vukovar oder Osijek unterscheidet. Da Zagreb weit weniger direkt vom Krieg betroffen war, seien viele Familien nicht in gleichem Maße von persönlichen Kriegserfahrungen geprägt. Umso wichtiger seien Gedenktage, schulische Vermittlung und familiäre Erzählungen für die Weitergabe der Erinnerungen.

Zagreb zeigt, dass kollektive Erinnerung nicht nur dort präsent ist, wo Kriegsschäden bis heute das Stadtbild prägen, sondern auch durch Denkmäler, Rituale und öffentliche Gedenkkultur weitergetragen wird. Außerdem wird hier besonders deutlich, wie wichtig auch die familiäre Erinnerung ist, um die Ereignisse des Krieges nicht zu vergessen.

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Artikel · Heimatkrieg

Osijek

Bei unserer Ankunft in Osijek haben wir schon im Bus sichtbare Spuren des Heimatkrieges erkennen können. Vor allem, wenn man durch die Stadt lief, fand man Gebäude mit eindeutigen Schusslöchern und Narben des Krieges. Noch ist es nicht vergleichbar mit Vukovar, aber dennoch ein Indiz dafür, wie Osijek als benachbarte Stadt betroffen wurde. Leider sind wir bei der Suche nach historischen Dokumenten des Krieges auf leere Hände gestoßen, da das Stadtarchiv keine Bestände aus dieser Zeit zur Verfügung hatte.

Bei dem Besuch der Philosophischen Fakultät der Josip-Juraj-Strossmayer-Universität in Osijek trafen wir auf einen weiteren Berührungspunkt mit dem Krieg: eine Gedenktafel für sechs Student*innen der Universität, welche im Heimatkrieg getötet wurden. Dieses öffentliche Gedenken steht jedoch im Kontrast zum privaten Alltag. Denn in unseren Gesprächen mit den Studierenden vor Ort zeichnete sich schnell ein Muster ab: Die Mehrheit der jungen Generation blickt in die Zukunft. Innerhalb der Familie wird wenig bis kaum über den Krieg gesprochen, das Trauma der Elterngeneration bleibt ein Tabuthema. Auch Meinungsverschiedenheiten sorgen dafür, dass man das Thema vermeidet.

Diesen Umgang bestätigte uns auch ein Professor der Universität, der den Konflikt als Kind selbst miterlebt hatte. In unserem Interview erklärte er, dass seine Familie die schweren Erlebnisse nicht erwähnt habe und er es heutzutage mit seiner Tochter genauso mache.

Das Ergebnis unserer Forschung in Osijek zeigt also, dass die öffentliche Erinnerung zwar ihren festen Platz hat, doch im intimen Kreis der Familien der Krieg kein Gesprächsthema mehr ist.

Gedenktafel für gefallene Studierende, Universität Osijek
„My best friend is a Serb, we have nothing to do with the war.”Student
Fassade mit Kriegsschäden, Osijek
„[…]our family didn't like to talk about it to put even more pressure on the children, to feel even more endangered.”Professor
„you would see the whole sky was lightning because of the bombarding that was taking place towards Osijek […] you could still see the scars on the house […]”Professor
Fassade mit Kriegsschäden, Osijek
Fassade mit Kriegsschäden, Osijek
„[…] in media it's very present. However, inside the family or between the common people, I cannot remember when I talked to someone about […] I wouldn't say it's a comfortable subject even today.”Professor
„In Vukovar […] I think that for them the main thing still is the war […] the division between them. Here in Osijek, I think that we have surpassed that.”Professor
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Artikel · Heimatkrieg

Vukovar

„The past is a long time ago. 35 years since the war, and I don't like living in the past… but in this town many people are living in the past… No vision of the future“citizen
Beschädigtes Gebäude in Vukovar
„Every family here lost a member in the war“citizen
Beschädigtes Gebäude in Vukovar

Vukovar ist einer der Orte, die im Kroatischen Heimatkrieg am stärksten unter Beschuss standen. Direkt am Ufer der Donau und an der Grenze zu Serbien gelegen, wurde die Stadt während des Kriegs im Sommer 1991 knapp drei Monate lang von der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) belagert, bevor sie eingenommen wurde. Dabei wurde sie stark beschädigt. Die Spuren und Narben des Krieges sind noch heute überall sichtbar. Einschusslöcher in Hausfassaden prägen weite Teile des Stadtbildes. Auch Denkmäler, Gedenkstätten und Museen sind in Vukovar allgegenwärtig.

Im Rahmen unserer Forschung stellten wir fest, dass der Krieg auch im privaten Umfeld weiterhin eine große Rolle spielt. Die Erinnerung an den Krieg wird innerhalb der Familien weitergetragen, wobei wir deutliche Unterschiede in der Art des Erinnerns zwischen den Generationen feststellen konnten. Während viele Zeitzeugen und Angehörige älterer Generationen durch den Krieg persönlich geprägt sind und ihn mit schmerzhaften Erfahrungen verbinden, wünschen sich jüngere Menschen häufig einen stärkeren Blick nach vorne sowie eine multiperspektivische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.

Zugleich bleibt Vukovar ein Ort, um den sich im kollektiven Erinnern der Kroaten unterschiedliche Narrative herausgebildet haben – von patriotischen bis hin zu nationalistischen Deutungen. Deutlich wird, dass die Erinnerung an den Heimatkrieg bis heute tief mit der Identität der Stadt verbunden ist.

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Artikel · Heimatkrieg

Wasserturm Vukovar

„In Vukovar they have no vision of the future.“senior citizen
„There is a certain narrative that is painted in the far-right politics that mostly run our country“student
„Young people are leaving from here, because the town is … dead. People only talk about the past, it's like… kako se kaže [how do you say]… GHOST“citizen
Wasserturm Vukovar, Detailansicht Wasserturm Vukovar

Der Wasserturm von Vukovar ist eines der bekanntesten Wahrzeichen des Kroatischen Heimatkriegs. Während der Belagerung der Stadt im Jahr 1991 wurde der Wasserturm schwer beschädigt. Heute gilt er als Mahnmal und Symbol für Zerstörung, Widerstand und Erinnerung. Die sichtbaren Kriegsschäden wurden bewusst erhalten, während das Innere zu einer Gedenkstätte mit Ausstellung umgestaltet wurde. Im Rahmen unserer Forschung wurde deutlich, dass der Wasserturm für viele Menschen ein bedeutender Erinnerungsort ist und die Erinnerung an den Krieg in Vukovar bis heute besonders präsent bleibt. Gleichzeitig zeigte sich dort eine Präsenz nationalistischer und patriotischer Narrative, da der Ort von vielen national gesinnten Besucher*innen als eine Art Pilgerstätte verstanden wird.

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Artikel · Heimatkrieg

Gedenkstätte Vukovar

„There is a great nationalism active now in Croatia, especially in the younger generations [...]“teacher
„Of course they will not be forgotten, but there is no point in bringing back all these subjects again and again. It only brings bad memories“citizen
„It's a cliché, but I think that people should know that we shouldn't run from the past, all parts of it. We should face them and learn from them and not let them divide us. There is never a universal truth, but only different perspectives of the truth, and we should be aware of it.“student
Gedenkstätte Vukovar, Kreuz Gedenkstätte Vukovar, Aufkleber-Wand

Das Memorijalni centar Domovinskog rata in Vukovar ist ein Dokumentations- und Bildungszentrum zur Erinnerung an den Kroatischen Heimatkrieg. Die Ausstellung vermittelt die Ereignisse des Krieges anhand von Zeitzeugenberichten, Exponaten und militärischen Fahrzeugen und richtet sich vor allem an Schulklassen und Besucher*innengruppen. Im Rahmen unserer Forschung konnten wir beobachten, dass das Zentrum eine bedeutende Rolle in der öffentlichen Erinnerungskultur einnimmt. Gleichzeitig zeigte sich, dass dort auch nationalistische und patriotische Symbole, Sticker und Kleidung einzelner Besucher*innen präsent waren. Das zeigt, dass der Erinnerungsort für manche nicht nur dem Gedenken dient, sondern auch als Ausdruck nationaler Identität und patriotischer Narrative genutzt wird.

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